Wie Zierfischfang zum Schutz des Amazonas beitragen kann
Kann der Fang wildlebender Aquarienfische tatsächlich zum Naturschutz beitragen? Was zunächst widersprüchlich klingt, ist die Grundidee eines außergewöhnlichen Artenschutzprojekts im brasilianischen Amazonasgebiet. Bei unserem Vereinsabend stellte Daniel Amann das Project Piaba vor und zeigte eindrucksvoll, wie sich nachhaltige Aquaristik, wirtschaftliche Entwicklung und der Schutz der Artenvielfalt miteinander verbinden lassen.
Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Region um Barcelos am Rio Negro, einem der bedeutendsten Herkunftsgebiete südamerikanischer Aquarienfische. Insbesondere der Rote Neon (Paracheirodon axelrodi) spielt dort eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Für zahlreiche Familien ist der traditionelle Zierfischfang eine wesentliche Einkommensquelle.
Doch die Lebensräume dieser Fische sind zunehmend bedroht. Abholzung, Landwirtschaft, Viehzucht und illegaler Goldabbau setzen dem Regenwald und seinen Gewässern zu. Besonders problematisch ist dabei der Einsatz von Quecksilber bei der Goldgewinnung, das Flüsse und Nahrungsketten belastet.
Hier setzt das Project Piaba an. Seine Grundidee lässt sich mit dem Leitsatz „Buy a Fish, Save a Tree“ – „Kaufe einen Fisch, rette einen Baum“ zusammenfassen. Wenn die Menschen vor Ort durch nachhaltigen Zierfischfang ein verlässliches Einkommen erzielen, haben sie gleichzeitig ein wirtschaftliches Interesse daran, den Regenwald und seine Gewässer zu erhalten.
Daniel erläuterte dabei auch die besondere Bedeutung des jahreszeitlichen Wasserstandswechsels am Amazonas. Während der Regenzeit werden riesige Waldflächen überschwemmt, die zahlreichen Fischarten als Laichgebiete und Kinderstuben dienen. In der Trockenzeit ziehen sich die Wassermassen zurück, wobei viele Fische in isolierten Restgewässern verbleiben. Ein Teil dieser Tiere würde unter natürlichen Bedingungen aufgrund von Sauerstoffmangel, Nahrungsmangel oder vollständiger Austrocknung nicht überleben. Der traditionelle Zierfischfang nutzt diese jahreszeitlichen Veränderungen.
Das Project Piaba verfolgt dabei einen umfassenden Ansatz. Neben der wissenschaftlichen Untersuchung der Fischbestände und ihrer Lebensräume stehen die Schulung der einheimischen Fischer, die Verbesserung von Fangmethoden, Hälterung und Transport sowie der Aufbau nachhaltiger Handelsstrukturen im Mittelpunkt. Ziel ist es, möglichst geringe Verluste entlang der gesamten Handelskette zu erreichen und gleichzeitig die Lebensgrundlagen der örtlichen Bevölkerung langfristig zu sichern.
Besonders bemerkenswert ist, dass von diesem Ansatz nicht nur die wirtschaftlich interessanten Zierfischarten profitieren. Werden die natürlichen Lebensräume des Roten Neons geschützt, bleiben gleichzeitig die Lebensgrundlagen unzähliger weiterer Tier- und Pflanzenarten erhalten. Damit reicht die Bedeutung des Projekts weit über die Aquaristik hinaus.
Auch die Verantwortung der Aquarianer wurde im Vortrag diskutiert. Daniel machte deutlich, dass Wildfänge nicht grundsätzlich negativ zu bewerten sind. Entscheidend sind vielmehr ihre Herkunft, die Nachhaltigkeit der Fangmethoden und die Bedingungen entlang der Handelskette. Ein bewusster Einkauf kann dazu beitragen, verantwortungsvoll arbeitende Fischereigemeinschaften zu unterstützen.
Abschließend schlug Daniel den Bogen zu weiteren internationalen Artenschutzprojekten und verdeutlichte am Beispiel des Tequila-Kärpflings (Zoogoneticus tequila), welche wichtige Rolle engagierte Aquarianer und Erhaltungszuchten beim Schutz bedrohter Fischarten spielen können.
Der Vortrag regte dazu an, die Herkunft unserer Aquarienfische und die Zusammenhänge zwischen Mensch, Natur und Aquaristik aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Herzlichen Dank an Daniel Amann für diesen informativen und engagierten Vortrag, der eindrucksvoll gezeigt hat, dass verantwortungsvolle Aquaristik einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz leisten kann.
Weitere Informationen unter:
- https://www.projectpiaba.org
- https://www.zierfische.de/mehr/blog/habitate/wie-winzige-fischlein-den-weltgroessten-regenwald-retten?utm_source=chatgpt.com
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